Über diese Frage diskutiert Deutschland

 

Liebe Bürgerinnen und Bürger.

 

Foto: Hans Partenheimer

 

Wir zeigen Ihnen, wie sich Ihr Alltag verändern könnte.

„Es ist doch klar, dass wir eine CO2-Steuer brauchen“, sagt zum Beispiel Frans Timmermans, Spitzenkandidat der Sozialdemokraten vor der Europawahl. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) ist ebenfalls dafür, zahlreiche amerikanische Ökonomen auch.

Widerstand kommt aus CDU und CSU. Die Debatte läuft heißer als ein Braunkohlekraftwerk, die Folgen wären für uns alle spürbar. Denn pro ausgestoßener Tonne CO2 müssten Hersteller und Anbieter von Waren und Dienstleistungen einen festen Preis bezahlen.

Werden diese zusätzlichen Kosten auf die Käufer umgelegt, würden Waren und Dienstleistungen, die klimaschädlich sind, teurer werden. Genau das ist die Idee dahinter: Steigt der Preis von Rinderfilets, Einwegbechern und Langstreckenflügen, verzichten die Menschen eher darauf.

Kurz zum Verständnis: CO2 kennst du vielleicht aus dem Chemieunterricht, es ist eine chemische Verbindung aus einem Kohlenstoff- und zwei Sauerstoffatomen. In der Luft kommt CO2 als Gas vor, allerdings ist der Anteil sehr gering. Etwa 0,04 Prozent der Atmosphäre besteht aus CO2. Das Problem: Das Gas beeinflusst den Wärmehaushalt unserer Erde. Je mehr CO2 in der Luft ist, desto weniger Wärme kann die Erde verlassen, wodurch der Klimawandel beschleunigt wird.

In den Bereichen Verkehr, Landwirtschaft und Gebäuden sollte das Land den CO2-Ausstoß bis zum nächsten Jahr gegenüber dem Jahr 2005 um mehr als ein Drittel senken. Dazu hat sich Deutschland gegenüber der EU gegenüber verpflichtet.

Bislang zahlen in Deutschland nur Firmen aus der Energiewirtschaft wie RWE, Industriekonzerne wie Thyssenkrupp und Fluglinien wie Ryanair für Treibhausgas-Emissionen. Das europäische System des Emissionshandels sieht vor, dass jede Firma, die eine Tonne CO2 ausstößt, dafür ein Zertifikat benötigt. Unternehmen können diese Verschmutzungsrechte untereinander kaufen und verkaufen. Diese Emissionshandel gilt jedoch nicht für Landwirtschaft, Gebäude und Verkehr.

Angenommen, jede Tonne CO2 würde ab sofort mit 180 Euro besteuert, wären viele Dinge plötzlich sehr viel teurer. Die Kollegen des Wissenschaftsmagazin Quarks haben das Szenario einmal durchgespielt. Demnach würde ein Liter Diesel knapp 30 Prozent mehr kosten, der Preis für Butter würde um mehr als die Hälfte steigen und ein Inlandsflug wäre 30 Euro teurer.

Die Mehreinnahmen, die dem Staat dadurch entstehen, sollen aber wieder an die Bürger zurückfließen. Denkbar wäre zum Beispiel, die Steuern auf Strom zu senken und die Verbraucher auf diese Weise zu entlasten. Ein anderer Vorschlag sieht vor, allen eine Pauschale gemessen an ihrem persönlichen CO2-Ausstoß zurückzuzahlen.

Der Vorschlag, eine CO2-Steuer in Deutschland einzuführen, kam von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). Wirtschaftspolitiker der CDU sprachen sich gegen eine solche Steuer aus und schlugen stattdessen vor, den Handel mit Verschmutzungsrechten auf die Bereiche Landwirtschaft, Verkehr und Gebäude auszuweiten. Die Verbraucher sollten nicht zusätzlich belastet werden, sonst käme es möglicherweise zu Protesten wie in Frankreich. Einig sind sich die Parteien jedoch darin, dass keine Bürger durch Abgaben auf Kohlendioxid benachteiligt werden dürfen.

Die Regierung prüft im Augenblick verschiedene Konzepte. Im Juli wollen die Politiker des Klimakabinetts dann diskutieren, wie eine Abgabe auf CO2 konkret aussehen könnte.

Das hier sind Auszüge aus: Quelle : Orange Handelsblatt